Solardampfboiler und Wüstensonne – ein starkes Team

Das System ist so einfach wie genial: John Mitchell und Martin Scheuerer nutzen längliche parabolisch gebogene Spiegel, die sich um ihre eigenen Achsen drehen und so tagsüber jederzeit Sonnenstrahlung reflektieren. Die Spiegel konzentrieren die Wärme und erhitzen mit ihr eine Wärmeträger-Flüssigkeit. Es entsteht Wärmeenergie, die mit Hilfe eines großen Wärmetauschers in Wasserdampf umgewandelt wird.
Die Vorteile des Solardampfboilers: Er erzeugt große Mengen an Energie, ohne CO2 freizusetzen, verbraucht keine fossilen Energieträger, lässt sich dezentral einsetzen und arbeitet unabhängig von Netzversorgern.

Sonne liefert Prozesswärme für Industrieproduktion

Mit der Energie könnten Mitchell und Scheuerer etwa eine konventionelle Dampfturbine- und Generator-Einheit betreiben. Die Projektidee der beiden ehemaligen Formel-1-Manager ist jedoch, den Wasserdampf direkt in eine industrielle Produktion weiterzuleiten – als Prozesswärme. Der Hintergrund: Viele Industriezweige wenden einen großen Teil ihres Energieverbrauchs auf, um Dampf zu erzeugen, etwa für das Trocknen, Färben, Garen oder Schmelzen ihrer Produkte.

Das Kraftwerk, entwickelt aus einem Technologietransfer des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, ist modular konzipiert. Die protarget AG liefert die Schlüsselkomponenten wie Solarreceiver und Rohre. Die übrigen Elemente (Dampfturbinen oder Wärmetauscher) bezieht die Firma von Lieferanten. So reduzieren sich die Herstellungskosten für die wartungsarmen Solarkraftwerke deutlich. Die Lebensdauer der Komponenten liegt geschätzt bei 30 Jahren.

Heiße Regionen profitieren von Solartechnik

Sonnenreiche Gebiete eignen sich aus zwei Gründen als Standorte für solarbetriebene Dampfboiler:

  • Die Sonneneinstrahlung ist hoch.
  • Der Bedarf an kostengünstiger und klimafreundlicher Energie steigt stetig. Die Gründe: die industrielle Entwicklung und das Bevölkerungswachstum.

Durch Joint Ventures mit lokalen Unternehmen sowie die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen des jeweiligen Landes möchten die Projektverantwortlichen ihre Technologie nachhaltig in den einzelnen Regionen etablieren.



Zum Unternehmen: Die Kölner protarget AG will solarthermische Kraftwerke „made in Germany“ produzieren. Mit diesen solaren Dampferzeugern, die eine Leistung von ein bis acht Megawatt besitzen, können Hersteller aus unterschiedlichen Industriezweigen Solarenergie kostengünstig nutzen.

Das Technologie- und das Finanzkonzept der protarget AG wurden im Businessplan-Wettbewerb 2010 des NUK – Neues Unternehmertum Rheinland e.V. – mit einem Hauptpreis ausgezeichnet.

Wasserdampf aus Sonnenkraft: Die parabolisch gebogenen, drehbaren Spiegel des Solardampfboilers sind jederzeit der Sonne zugewandt.
Projektdaten im Überblick
Projekttitel:
Solar Steam Generator – Dampf aus der Kraft der Sonne

Projektschwerpunkte:
Technik

Start/Ende:
Mitte 2011/Mitte 2014

Projektsumme:
Zirka 780.000 Euro